Beobachtungsnacht 14.8.2017

Der Sommer ist ja immer problematisch: Kurze Nächte, hohe Temperaturen (= stark erhöhtes Rauschen des Fotosensors) und wenn es dann doch abkühlt baldige Wolkenbildung und Tau. Nach diesem teilweise sehr kaltem Winter und der Trockeheit sind wenigstens Gelsen (Stechmücken) kein Problem…

An diesem Tag war es jedenfalls fast ideal. Mit 22 Grad um 22:00 zwar warm aber ein Nordwind machte mich zuversichtlich dass die Luftfeuchte länger unterhalb der kritischen 92% blieb. Wolken waren auch nur im Süden und in Horizontnähe zu sehen. Der Aufgang des 1/4 Mondes war kurz vor Mitternacht angesagt.

Ich befragte die INCA Karte die in etwa die aktuellen Werte der vergangenen Stunden zeigt und von der ZAMG zur Verfügung gestellt wird: Hier kann man dann in etwa abschätzen, wie es in der unmittelbaren Zukunft aussieht:

170814 INCA - Wolken

MetoBlue stellt u.a. lokalisierbare Karten zur Verfügung, die speziell auf Astronomische Beobachtungen ausgelegt sind. Da sah es auch nicht schlecht aus:

170814 MeteoBlue

Was Temperaturen und Feuchte betrifft stimmt es oft nicht. Aber ich habe ja eine Wetterstation im Garten die dass anzeigt, wenn man es nicht sowieso merkt wie es steht…..

Als ich den Polarstern gerade schon erkennen konnte begann ich mit dem Aufbau. Heute sollte es mit dem Teleskop M27 (Hantelnebel) mit dem Teleskop und der modifizierten Kamera werden. Zusätzlich dann eine kleine unmodifizierte Kamera mit dem Olympus FT7-14/4 Ultraweitwinkel.
Da sowohl Teleskop wie auch Fotolinse F/4 haben, ist huckepack und gleichzeitiges Auslösen bei gleichen Belichtungseinstellungen ja ideal.
Mit dem Ultraweitwinke bekomme ich sicher ein Übersichtsbild über die Milchstraße im Zenit. Nicht zu viele Sterne, als dass man sich darin verliert aber dennoch viel mehr, als man mit dem Auge sehen kann.

170814 Dual Setup

Gegen 22:00 ist noch nicht ganz so dunkel, aber ein erstes Testbild zeigt mir dass es losgehen könnte, wenn nicht wieder Wolkenfelder vom Süden hereingezogen wären. Gerade beim Ultraweitwinkel zu vergessen. Glücklicherweise lösen sie sich bald auf.  Die visuelle Grenzgröße von 3-4 (am kleinen Wagen abzulesen) ist nicht gut, was darauf hindeutet dass es einfach nicht wirklich klar ist. Mit SQM gegen 20,5 ist es dann aber schon mal besser, als andere im Umland von Wien.

Da Andromeda auch schon vernünftig hoch steht und dieser Teil des Himmels frei bleibt die nächste Zeit stelle ich noch schnell den Star Adventurer mit dem Samyang 135/2 hinaus. Das ist ja innerhalb 5 Minuten betriebsbereit.

Eine Testbelichtung vor einiger Zeit zeigt mir, das Bildfeld passt wunderbar. Mit F2 geht sich bequem 1 Minuten Belichtungszeit bei ISO800 aus. Da brauch ich nicht mal einen Sequenzer oder die Belichtungssteuerung des Star Adventurers bemühen (womit ich mich noch nicht mal befassen musste).

170814 StarAdventurer

 

Letztlich kam es aber wie so oft: Kurz vor Mitternacht, beim Mondaufgang war der Himmel zu, sodass ich nach Abwarten, was ich nutzte um Darkframes zu machen, dann eine halbe Stunde später abbrach.  Es klarte dann zwar nochmals gegen 1:00 auf, aber da war ich dann schon fast im Bett. Nächstes mal muss ich halt nachlegen.

Hier noch ein sehr schnelles Ergebnis was die 3 Kameras abgeliefert haben. Ich habe nur die Bilder zusammengerechnet, automatische Farbkorrektur  und Kontrastkorrektur. Das ganze so wie es ist verkleinert:

Die Sommermilchstraße um das Sommerdreieck mit 7mm (14mm KB) Rohbild nach zusammenrechnen der 22 Bilder mit jeweils ISO800 und 4 Minuten Belichtungszeit

170814 Rohbild nach stacken 7mm CAS-AQL

 

Der Hantelnebel (M27) durch den 200/800 „Newton ohne Namen“. Rohbild nach zusammenrechnen von  21 Bildern mit je ISO800 und 4 Minuten Belichtungszeit

 

170814 M27 / Hantelnebel  - Rohbild nach stacken

Und hier die Andromeda Galaxie mit dem Samyang 135/2 als Rohbild nach stacken.  44×1 Minute belichtet ISO800, F/2 nachgeführt mit dem StarAdventurer.

170814 M31 Rohbild

Als Anfänger wäre ich vor 3 Jahren froh gewesen, ein solches Bild final in der Hand zu haben. Heute ist das nur ein Ausgangspunkt für eine ausgefeiltere Bildbearbeitung. Deutlich sieht man z.B. den Helligkeitsgradienten am Himmel und die Farben werden dann noch verstärkt. Um nur das Augenscheinlichste zu erwähnen.

Wer sich jetzt noch fragt, wo denn die vielen Spuren sind, die durchs Bild fliegende Flugzeuge und Satelliten hinterlassen:
Die werden beim Stacken herausgerechnet, was dann so aussieht:

170824 M31 reject hight

Beim Stacken (zusammenrechnen der einzelnen Bilder) wendet man Algoritmen an, die alles was offensichtliche Ausreißer sind, aus dem Endergebnis verwerfen.
Das geht oft recht gut, aber wenn es nicht funktioniert, fehlen vielleicht wesentliche Teile des Objekts. Daher tut man gut daran, das zu kontrollieren was weggeworfen wird. Gegeben falls muss man dann die Parameter nachjustieren.

Sommersternhimmel: Cassiopeia – Schwan

Eine weitere extreme Weitwinkelaufname aus dem August, zeigt den Himmelbereich östlich des Sternbild des Schwan.

Neben dem Deneb  als Hautptstern einer der helle Sterne des Sommerdreiecks kommt im Osten schon das charakteristische und leicht zu erkennende Sternbild der Cassiopeia (CAS), das große W am Himmel.

140828 Cassiopeia - Schwan / CAS-CYG Anno

zum Selbersuchen, was nicht einfach ist, wenn man zu viele Sterne sieht 😉

140828 Cassiopeia - Schwan / CAS-CYG

M31 Andromeda Galaxie

Die Andromeda Galaxie ist unser Nachbar in 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung und mit 140.000 LJ ist er 40% größer als unsere eigene Milchstraße. Bei guten Bedingungen kann man sie noch mit freiem Auge sehen und ist damit das am weitesten entfernte Objekt im Weltraum, das wir  ohne Hilfsmittel erkennen können. Das Fernglas zeigt schon sehr deutlich den nebeligen Fleck.

Eine Digitalkamera sammelt aber heutzutage genug Licht innerhalb von 10-20 Sekunden,  sodass er sich am Foto schon deutlich abzeichnet. Selbst am fixen Stativ ohne Nachführung.

Hier mit Fotolinse bei 100mm KB (Kleinbild) aber 11×4 Minuten belichtet, was natürlich nur mit Nachführung geht. Das Bild umfasst das Gebiet beginnend von Stern Mirach unten.

150621 M31 - Andromeda Galaxie (And)

[Dieses Bild in großer Auflösung und Beschreibung]

Das Teleskop enthüllt dann sehr viel mehr Details:

150721 M31 - Andromeda Galaxie

Der Hauptteil des M31 ist sechs mal so groß wie uns der Mond erscheint. Mit dem Halo zugerechnet füllt er die Größe des Sternbildes Großer Wagen!

Der M 31 mit Fotoapparat bei 400mm (KB Brennweite)

151112 M31 - Andromeda Galaxie

Bei den Bilder mit dem Telskop zeigte eine genaue Analyse der Einzelbilder aber: 4 Minuten bei ISO800 und F3.5 sind zu viel – da sind die hellen Sterne und das Zentrum schon überbelichtet. Ein solches Objekt braucht zusätzlich noch eine HDR Ausarbeitung um den große Dynamikumfang einigermaßen gerecht zu werden.

Mit meinem 800mm geht sich nur noch ein Ausschnitt aus. Links M110 und rechts M32, die beiden Begleitgalaxien:

160831 Andromeda Galaaxie M31 (mit M110 und M32)

(in groß auf AstroBin)

Hier ein Auffindekarte, wie ich ihn immer leicht finde:

Auffindekarte M31

Ausgehend von der Kassiopeia (Himmels-W) führt die Verlängerung des rechten Schenkel zu einem sehr hellen Stern (Almaach). Dann findet man zwei weitere sehr helle Sterne (sieht man auch in der Stadt). Beim mittleren der drei hellen Sterne im Sternbild der Andromeda sind dann oberhalb zwei schwächere Sterne zu sehen. Sieht man bei lichtverschmutztem Himmel schon schlecht. Im Fernglas/Sucherfernrohr aber schon. Der Abstand dieser schwachen Sterne ist  ca. das Gesichtsfeld eines Fernglases. Beim obersten Stern sieht man dann schon die Andromeda Galaxie als nebeliger Fleck.

Weitere Seite zum Auffinden auf de.Wikihow

Viel Glück beim Finden !

 

 

MGen

Der erste Versuch mit MGen Autoguider

Bei fix aufgestellten Fernrohrmontierungen kann man die Nachführung sehr genau einstellen. Bei transportablen Geräten ist das mit wenig Zeitaufwand und Übung nicht ganz so genau möglich. Das bedeutet, dass die Montierung nur eine gewisse Zeit die Position nachregelt, bis der Nachführungsfehler so groß geworden ist und man ihn auf Langzeitbelichtungen sehen kann: Die Sterne werden dann Eier oder gar Striche.

Früher wurde mit einem Fadenkreuzokular stundenlang händisch am Großen Fernrohr korrigiert, mit kleiner Vergrößerung fotografiert, sodass man die Fehler nicht sah. Heute ist alles einfacher: Kostengünstig: Einfach mit Videokamera und Laptop, der die Korrekturen an die Montierung schickt, sobald sich der Stern bewegt. Teurer, aber wesentlich weniger aufwändig: Der bei Lacerta (Teleskop Austria) entwickelte MGen Autoguider. Einfach das Kameramodul an das kleine Sucherfernrohr  schrauben und die Handbox kann dann selbstständig direkt die Teleskopmontierung korrigieren. Der Support ist auch was BIOS Updates betrifft vorbildlich, so dass immer wieder nützliche Funktionen dazukommen.

Vor ein paar Tagen ergab sich die Gelegenheit den kürzlich erworbenen MGen erstmals einzusetzen. Ist mir sogar trotz komplexer Materie und schlechter Vorbereitung gelungen. Dank Tommy, der auch gleich die Voreinstellungen auf meine Ausrüstung im Shop einstellte.

Es gibt zwar noch eine Menge Hürden und Feinheiten mit denen ich zu kämpfen habe, aber immerhin ist schon mal was nettes herausgekommen in der kurzen Zeit die mir zur Verfügung stand. Einmal mehr habe mich an der Andromeda Galaxie (M31) versucht, denn sie stand auch recht günstig an einem eher dunklem Teil der Sternenhimmel.

Als Fotoapparat kam die Olympus OM-D E-M5 zum Einsatz, weil sie einfach bei Langzeitbelichtungen besser sein soll als die E-M1. Das unten stehende Bild kommt genauso aus der Kamera, ich hab es nur verkleinert! Allerdings hab ich es aus dem RAW entwickelt, aber ohne viel einzustellen. An sich sieht das JPG out of Cam aber nahezu gleich aus. Belichtet habe ich 250 Sekunden bei ISO 800.
Andromeda Galaxie 4 Minuten belichtet - MGen Autoguider