M22 / NGC 6656

160807 M22

Er ist der größte Kugelsternhaufen den man von uns aus sehen kann. Leider steht er im Sommer recht nahe am Südhorizont im Sternbild Schütze. Nur Omega Centauri und 47 Tucane auf der Südhalbkugel sind heller und größer. immerhin ist er mit einer Helligkeit von Mag 5.5 als „Sternchen“ sogar mit freiem Auge sichtbar. Er wurde auch als erster schon 1665 entdeckt. Er enthält rund 80.000 Sterne und ist uns mit 10.400 Lichtjahren  (LJ) sehr nahe. Mit seinem Durchmesser von 97 LJ füllt er die Fläche des Vollmondes. 2012 wurde nachgewiesen dass im Zentrum gleich 2 Schwarze Löcher sind, was vorher als unmöglich galt.

Dieses Bild auch in Groß mit genaueren Technischen Daten auf AstroBin

 

1st Light! – Erste Gehversuche

Wie so oft, bin ich tagsüber gar nicht dazugekommen, das Teleskop bei Tageslicht aufzubauen und noch wichtiger: die Okulare und wie man die korrekt montiert, damit sie auch scharf abbilden. Der Schärfebereich den man einstellen kann ist ja eher gering. Auch die Sucherfernrohreinstellung währe wichtig gewesen. Das Handbuch zur Montierung hab ich natürlich schon etwas durchgearbeitet.

Egal! Als es dämmrig wurde begann ich das Stativ mal an einem Punkt im Garten aufzubauen, wo ich Sicht auf Mars und Saturn haben müsste. Da ich mit einer parallaktische Montierung nicht gut umgehen konnte, schwenkte ich schnell auf die „gewohnte“ azimuntale Montierung um. Die Nacht war gerettet 😉

Als ich dann fertig war, war es schon recht dunkel. Es stellte sich jetzt mal die Frage nach dem geeigneten Ort, wo ich mal irgendein terrestrisches Objekt im Garten scharf stellen könnt und bei der automatischen Außenbeleuchtung auch erkennen kann. Es war leider nur ein Busch, wo die Straßenlaterne durch schien. Mir war ja nur im groben bekannt, wie die ganzen Adapter anzubringen sind, vor allem, wie ich das Okular mit den zwei Adapter, die mir zur Auswahl stand so einsetzen konnte, dass der richtige Abstand gegeben war, damit ich in den Schärfebereich des Teleskops komme. Der erste Versuch zeigte große scharfe Blätter im Vordergrund, aber der Hintergrund ein Meter dahinter konnte nicht mehr scharf abgebildet werden. Dann fand ich den Abstand, den das Objektiv im Adapter brauchte. Schon mal die erste Hürde genommen!

Dann war das Einrichten des Sucherfernrohres dran. Den Tipp meines Händlers im Ohr, zuerst das Teleskop auf etwas markantes ausrichten, dann hat man es bedeutend leichter, das Sucherfernrohr auszurichten, suchte ich nach einem passenden Objekt, denn einzelne Blätter in einem Busch würde ich wohl im Sucher auch nicht wirklich identifizieren können. Natürlich wäre ein möglichst weit entferntes Motiv sehr hilfreich wegen der Abweichung, aber das hatte ich nicht. So musste der ca 8m weit entfernte Sensor eine Sensorlampe über dem Eingang herhalten. Da hab ich mal das Sucherfernrohr justiert. Zwischenzeitlich sind auch die hellsten Sterne herausgenommen, so peilte ich dann gleich mal den Altair im Adler (AQU / Aquilae) an. Natürlich war die Abweichung zwischen Sucher und Okular des Teleskops groß, aber ich hatte den hellen Stern im Teleskop bald gefunden. Dann habe ich das Sucherfernrohr feinjustiert. War ein Kinderspiel! Dann habe ich natürlich gleich mal den Saturn gesucht und im Sucherfernrohr zentriert. Und siehe da, ein bekannter Anblick im Teleskop!

Mars, der ebenso wie Saturn alsbald hinterm warmen Hausdach verschwinden würde und Andromeda Nebel waren dann als nächstes dran.

Die Sache mit dem M13:

Ich wusste zwar um ihn, aber so richtig gesucht hatte ich ihn noch nie zuvor und auch Fotos von Stativ, die ich in aller Ruhe analysieren konnte habe ich auch nie zu diesem Zweck gemacht. Welche der 4 Sterne zum Herkules gehörten konnte ich nur ahnen. Eine Peilung vom Deneb, dem Hauptstern des Schwanes (Cygnus / CYG) über die helle Vega fast im Zenit Richtung nördliche Krone machte es allerdings etwas einfacher. Schlussendlich hab ich diesen großen Kugelsternhaufen gefunden. Zunächst ein nebeliger Fleck, der sich aber alsbald in lauter kleine Sterne auflöst, wenn man nur etwas länger schaut. Ein überwältigender Anblick für den Einstieg.

Dann verlagerte ich das ganz hinter den Schuppen und versuchte mich in aller Kühnheit an der Ausrichtung der Parallaktischen Montierung. Die Batterie geholt und alles angeschlossen. Dann das Stativ mittels Polsucher ausgerichtet. Ob ich das ganz richtig machte, war ich mir natürlich nicht sicher, aber fürs erste reichte mir das. Was ich nicht wußte: Wie ist die Ausgangstellung des Teleskops ? Also weiter im Menü der SynScan Steuereinheit: 1 Stern Ausrichtung (1 star alignment). Ich richtete das Teleskop genau auf den Polarstern (Polaris). Dann kommt im Menü Arcturus. Arktur ist einfach zu finden, wenn man die Deichsel des großen Wagens geschwungen Richtung Horizont verfolgt, der nächste sehr helle Stern. Einfach, aber da wo ich stand, verdeckte schlicht ein Haselnussbaum die direkte Sicht auf den Stern! Ein wenig lugte er zwischen den Zweigen hervo0, aber als erster Test wird es wohl reichen. Also richtet ich das Teleskop darauf aus, was natürlich ein Fehler war! Dann nach dem ich weiter drückte setzte sich das Teleskop in Bewegung und die Entstellung der 1 Fahrt führte dazu, dass die Öffnung gegen die Erde zeigte, also offensichtlich falsch. Typischer Fall von RTFM (read the f**** (fine) manual) Da es um Mitternacht merklich zu tauen begann, packte ich zusammen.

Resume der ersten 2 Nachtstunden

Dank der Möglichkeit der AZ-EQ6 einfach auf azimuntale Montierung zu schwenken, stellten sich erste Erfolge und visuelle Highlights ein. Die Montierung ist absolut stabil und sehr massiv und dennoch gut gängig in den Einstellmöglichkeiten. Alles absolut wertig! Wenn man bedenkt, dass es sicher eine Anschaffung war, die auch lange Zeit nicht überfordert sein wird, den Aufpreis zu normalen EQ6 sicher wert!. Der „Newton ohne Namen“ inklusive des Komakorrektor liefert mit dem Baader Hyperion III Zoomobjektiv ein gestochen scharfes Bild bis an den Rand. Natürlich ist auch das „Panaview“ mit 70 Grad Sichtfeld eine feine Sache. Also ein für mich durchaus gelungenes 1st light!

 

 

Beobachtungsbericht 24.4.2015

Mal ein Beobachtungsbericht der Nacht vom 24.4.2015 auf den 25.4.

In der Dämmerung steht schon der 1/4 Mond hoch oben. Geschätzt sollte der Teil des Mondes, wo die erste Mondlandung stattfand schön zu sehen sein, weil in der Nähe des „Terminators“ (Hell/Dunkel Grenze) durch den Schattenwurf Oberflächendetails recht gut sichtbar werden. Ein Blick nach Norden – UMa (Große Bärin [Ursa Major], Großer Waagen ) und Polarstern suchen. Er ist erst ganz schwach zu erkennen. Den brauche ich um die Achse des Fernrohr möglichst exakt auf den Nordpol auszurichten. Sonst ist die Drift der Sterne wegen ungenauer Nachführung zu stark. Egal, beim Mond brauch ich es nicht so genau. Als ich dann alles zusammensucht, Teleskopspiegelausrichtung noch schnell mittels Justierlaser prüfen und die Teleskopmontierung in den Garten trug war es merklich dunkler, und so suchte ich einen geeigneten fixen Standort für meinen heutigen Himmel. Auf Abbau einrichten ist ja etwas aufwändig, daher angenehm, wenn man alles nur einmal machen muss. Alles zusammengebaut wiegt das ganze so gegen 40 Kg, nur zur Anmerkung. Mein Kohlefaser Newton ist dabei mit um die 9 kg dabei das leichteste Teil.

Also schnell alles aufgebaut, ein Stern Allignment (Eineichen der Teleskopmontierung auf exaktere Himmelsposition) auf Prokyon, der nicht weit ab steht. Sucherfernrohr exakt ausrichten. Visuell wie so oft ein Erlebnis, allerdings die Helligkeit haut einen fast die Augen ein, Kunststück bei F/4 (Lichtstärke eines Objektives – Brennweite dividiert durch Öffnung) meines 200/800mm „Newton ohne Namen“. Also 200mm Spiegel bei 800mm Brennweite.

Die Mondkrater und Berge in Terminatornähe werfen tolle Schatten. Also Kamera ans Teleskop, meine E-M5 mit EC14. Das ist ein 1,4x Telekonverter höchster Güte von Olympus für die TopPro Objektive. Er bringt +40% Vergrößerung kostet aber 1 Blende, also braucht man doppelte solange Belichtungszeit, beim hellen Mond aber kein Problem. Beim Scharf stellen mittels Liveview in Terminatornähe sehe ich schon das Flimmern der Luft, ist halt so, es ist heute mittelstark. Ich probiere verschiedene Belichtungszeiten 1/200-1/400 Sekunden. Alles perfekt. Keine wesentlichen Probleme, genau sieht man es dann sowieso erst am Computer.
Dann rüste ich auf die Baader Barlow 2,25 um, der verlängert die Brennweite um 2,25x. Die Qualität soll gut sein, ob das so ist weis ich nicht, denn das Flimmern der Atmospäre nimmt wie die Vergrößerung stark zu. Der beleuchtete Teil der Mondscheibe passt jetzt nicht mehr formatfüllend auf den Kamerasensor, und ein scharf stellen ist schon sehr sehr schwierig, weil das Bild nur so schwimmt. Egal Versuchen und lernen!

Solange der Mond noch hoch steht kann man schwache „Deep Sky“ Objekte (alles außerhalb unseres Sonnensystems) sowieso vergessen, weil er die stärkste Quelle der Lichtverschmutzung ist. Noch dazu strahlt er ja im kontinuierlichem Spektrum, anders als künstliche Beleuchtung, die einzelne Bereiche des Lichtspektrums benützen, welche man mit entsprechenden Filtern wegschneiden kann. Leider ist letzteres nicht ganz so einfach wie es sich jetzt liest ;-).

Also gleich mal nächstes helles Objekt das fotografisch für mich erreichbar ist: Jupiter, hoch oben gegen Süden, nach Mond und Venus das hellste Objekt am Sternhimmel.

Im Osten steht zwar auch noch recht hoch über dem Horizont die Venus, aber die kann ich vom heutigen Standplatz nicht sehen. Visuell werfe ich einen Blick darauf, toll sieht man am dunkler werdenden Horizont gerade noch den orangen Überriesenstern Aldebaran, der Hauptstern im Sternbild des Stier (Taurus [TAU]), wo auch gerade die Sonne weit unter dem Horizont steht. Weshalb die Geburtstagskinder ab Mitte April im Sternbild des Stier geboren sind.
Die Venus ist rechts bei den Hörnern des Stiers zu sehen. Venus selbst, unser Nachtbarplanet Richtung Sonne, ist zwar im Fernrohr recht groß, aber sie ist immer stark bewölkt und man sieht mit meiner Ausrüstung bloß was uniform Helles mit „Mondphasen“.

Also zum Jupiter:  Ein kurzer Blick aufs Handyapp wo gerade die Galilaeischen Monde stehen zeigt, es werden gerade nur 3 zu sehen sein, denn Europa ist gerade hinter Jupiter und wird erst nächste Stunde sichtbar sein. Also mit Barlow ein paar Bilder, kurz 1/50-1/15 für Jupiter, länger um die 1/5-2 Sekunden für die Monde. Ein 1 Minuten Video mach ich auch, vielleicht kann mir des Programm Giotto doch etwas mehr herausrechnen aus den zig Bildern, die flimmern. Viel Hoffnung hab ich nicht, aber man kann ja nie genug Daten zum Üben haben. Hernach versuche ich noch die Vergrößerung durch Okolarprojektion zu steigern, was zwar das Bild sehr groß macht, aber auch das Flimmern der Luft sichtbar werden lässt. Entsprechend muss auch die Belichtungszeit nach oben angepasst werden. Also wieder ein paar Daten gesammelt samt Video.

So geht es nochmals zurück an den Mond, als vergleiche zu Barlow.

Gegenüber des Mondes ist schon recht hoch der Herkules mit seinem hellen Kugelsternhaufen M13 zu sehen. Wenn ich bei dem Mondlicht überhaupt Deep Sky Bilder machen kann, dann bietet sich wohl dieser an!

Um ihn möglichst genau zu treffen mache ich ein 2 Stern Allignment auch Vega und Arkurus. Ich montiere einen zweite Kamera Huckepack am Teleskop für Weitwinkel mit und ohne Weichzeichener für Übersichtsbilder. Vega ist zu schwach um auf der E-PL7 mit Weitwinkel und Weichzeicher scharf stellen zu können, also gehe ich auf den helleren Arktur. Auch die Kamera am Teleskop stelle ich exakt scharf mit Hilfe einer Bahtinov Maske. Ich mache mal ein Übersichtsbild um den Arktur, im Sternbild des Bärenhüters (Bootes [BOO]).  Man findet den Stern  sehr einfach, indem man die Deichselsterne des Großen Wagens (oder Schwanz der großen Bärin) folgt, der nächste sehr sehr helle Stern! Derzeit im Osten. Ein weiterer sehr helle Stern tiefer im Nordosten ist die Vega in der Leier (Lyra [LYR]). Genau dazwischen ist der Herkules [HER], knapp vor Arkturus kann man die „Nördliche Krone“ (Corona borealis, [CRb]) recht schön erkennen, eine fast halbrunde Sternenanordnung.

Während eine Testbelichtung läuft, bereit ich mir den MGen Autoguider vor. Der korrigiert dann kleinste Abweichungen der Nachführung, wie man sie Langzeitbelichtunge, die weit über ein Minuten gehen sollen benötigt.

Der M13 kommt am Foto schön und hell, so entscheide ich mich für ISO400 bei 4 Minuten, am MGen bleibe ich bei meiner üblichen Voreinstellung von 15x 4 Minuten, nötigenfalls kann ich ja immer abbrechen. Dunkelbildabzug mach ich zwischen als Leerbild. Mit dem DeepSkyStacker werden dann die Fehlpixel abgezogen, was sonst bei Langzeitbelichtungen stark auffallen würde. Da der MGen zwischen den Aufnahmen die Montierung leicht verschiebt, ist es auch möglich, Hintergrundrauschen herauszurechen.

150424 M13 / NGC6205 (Her)

 

Ein halbe Stunde später sehe ich aber gegen den Süden. Da steht der helle Hauptstern Spica in der Jungfrau und der Rabe so hoch wie sonst kaum im Himmelsjahr. Dazwischen steht M104, als Sombrerogalaxie bekannt. In Anbetracht des zunehmenden Mondes und der einmaligen Chance sie vielleicht doch sehen zu können, breche ich die M13 Fotosession ab. Also schnell ein Allignment auf Spica und nochmals die Schärfe justiert. Dann geht es zu M104. Die Probebelichtung zeigt mir dass sie in meinem machbaren Bereich liegt. So mach ich eine Serie von 15x 4 Minuten. Mehr geht sich nicht aus.

150424 M104 /  NGC4594

Ich sehe mir dann man den Kugelsternhaufe M5 an, auch recht nett:

150424 M5 /  NGC5904 (Ser)

Gegen 2 Uhr kommt Antares ins Blickfeld. Im Sternbild des Krebs steht ganz auffällig hell der Saturn. Da mache ich noch ein paar Bilder und erfreue mich auch visuell an dem tollen Planeten. So beschloss ich diese lange Beobachtungsnacht.

 

M13 – Der große Herkuleshaufen

Was für ein Anblick! Der größte Sternhaufen unseres nördlichen Sternenhimmels.

An wirklich sternhellen Orten könnte man ihn wohl fast erkennen, mit dem Fernglas als nebeliger Fleck auf jeden Fall, selbst in der Stadt! Den erste Anblick aber in einem kleinem Teleskop wird man aber immer in Erinnerung behalten: Als zunächst nebeliger Fleck, der sich bei längerem Betrachten durch die Adaption der Augen in einen Haufen einzelner Sterne auflöst:

160506 M13

in groß auf AstroBin

Als M 13 oder NGC 6205 steht er in den Katalogen. Zu finden im Sternbild des Herkules, das auf 1/3 der gedachten Verbindung zwischen Wega und Arktur steht:

Auffindekarte M13

Oben sind die letzten zwei Sterne der Deichsel des Großen Wagens. Den Deichsel Sternen folgt man im Bogen und trifft auf einen sehr hellen Stern: Arktur (im Bärenhüter = Bootes BOO). Die Wega (in der Leier = Lyra LYR) ist auch sehr hell. Auf dem Weg dahin kommt man bei der Nördlichen Krone (Corona Borealis CrB) vorbei. Dann kommt bereits der „Kasten“ des Herkules (4 mittelhelle Sterne). Da steht der M13 im oberen 1/3 wenn man die zwei Sterne oben und unten verbindet.

Der Kugelsternhaufen besteht aus sehr alten Sternen. Er steht räumlich oberhalb der Milchstraßengalaxie, zwischen 21.000 – 32.000 Lichtjahre weit weg, damit in etwa gleich weit von uns wie wir vom galaktischen Zentrum (30.000 LJ). Der Durchmesser beträgt 150 Lichtjahre. Mit seiner scheinbaren Helligkeit von 5,8 ist er sehr an der Grenze, die mit freiem Auge bei besten Bedingungen sehen kann. Das Alter von M13 wird auf 14 Mrd. Jahre geschätzt. Die scheinbare Ausdehnung sind 16,6 Bogenminuten.

Noch ein Bild durch eine Fotolinse: Der Trapezförmige Kasten des Herkules

160506 Herkules im weiten Feld

in große auf Astrobin – HER Widefield